Heute im Interview: Simone Wittwer, Klassenlehrerin einer 7. Klasse im Raum Bern

digitale Diät: Gibt es bei Euch in der Schule Regeln bezüglich On-/Offline-Verhalten?
Simone Wittwer: Bei uns gibt es eine gemeindeweite Reglung, die sagt: Das Handy ist während der Schulzeit nicht sicht- und nicht hörbar. In der 7. Klasse funktioniert die Reglung recht gut – viele Schüler nehmen das Handy nicht mit in die Schule.

Welche Herausforderungen sind für Dich mit dieser Regel verbunden?
In der 9. Klasse kommt es schon mal vor, dass die Schüler während der Unterrichtszeit auf dem WC ihr Handy brauchen. Ich sehe dann beispielsweise auf Whatsapp, dass sie sich fotografiert haben. Sie sind sich dessen wahrscheinlich nicht bewusst.

Oder, ich bekomme an meinen schulfreien Tagen Whatsapp-Nachrichten von Schülern während der Schulzeit. Dann antworte ich schon manchmal mit der Frage: Warum schreibst du mir? Ich finde es aber auch nicht so tragisch, wir leben schliesslich im 21. Jahrhundert.

Werden Deine Schüler bezüglich On-/Offline-Verhalten geschult? Wo siehst Du allenfalls noch Bedarf diesbezüglich?
Ich finde es schwierig bei Jugendlichen: Du kannst noch so viel sagen, aber es ist für sie ein riesiges Bedürfnis, online zu sein.

Die Schülerinnen und Schüler haben teilweise schlechte Medienkompetenz. Sich an der Schule in ihr E-Mail einzuloggen, zum Beispiel, kann eine Herausforderung sein. Mit Rechercheaufträgen im Internet erlebe ich sie oft überfordert. In der 7. Klasse gibt es im derzeitigen Lehrplan pro halbes Jahr eine Lektion Informatik. Da sind wir als Lehrerinnen und Lehrer sehr gefordert.

Es gibt ja auch coole Sachen, die man mit dem Handy machen kann. Zum Beispiel beim Orientierungslauf lernen die Schülerinnen und Schüler zu navigieren. Auf diese Kompetenz können sie später zurückgreifen. Ich setze den Handygebrauch verbunden mit Aufträgen bewusst ein.

Sind sich Eltern Deiner Meinung nach ihrer Vorbildrolle bewusst, die sie bezüglich On-/Offline-Verhalten vorleben?
Einige schon, andere nicht. Ich habe kürzlich eine Whatsapp-Nachricht von einem Phantasienamen erhalten – und das war eine Nachricht von einer Mutter.

Ich denke, es gibt einen Bedarf, die Eltern zu sensibilisieren. Liegen die Handys beim Zmittag auf dem Tisch oder sind es die Eltern, die beim Ausflug dauernd auf dem Handy rumknöpfeln.

Gibt es Momente, in denen Du selbst nicht erreichbar bist? Deine Mails liegenbleiben?
Ja, an meinen schulfreien Tagen oder am Wochenende lasse ich das Handy zu Hause, wenn ich zum Beispiel mit meiner Tochter nach draussen gehe. Meine Mails schaue ich am Wochenende grundsätzlich nicht an und wenn, dann kurz am Sonntagabend.