Interview mit Steffi Bergner, Studentin Cast / Audiovisual Media an der ZHdK

«digitale Diät»: Du setzt in Deiner Ausbildung: Cast / Audiovisual Media eine Arbeit um zum Thema Smartphone Gebrauch. Worum geht es in Deiner Arbeit?
Steffi Bergner: Ich erstelle für meine Bachelorarbeit eine Webserie bei der in vier Episoden das Thema Smartphone und Beziehungen beleuchtet wird. Ich spreche mit Medienpsychologen für Kinder und Jugendliche und diversen anderen Experten auf dem Gebiet über Verhaltenssüchte, Erziehung und Trends wie Digital Diet.

Was hat Dich dazu inspiriert, dieses Thema aufzugreifen?
Ich kann mich noch an mein erstes Smartphone erinnern. Alles konnte ich von unterwegs aus tun: Freunden texten, Musik hören, coole Apps benutzen. Rasant konnte man immer mehr damit machen. Ich bin ein Fan der Digitalisierung und den damit verbundenen Möglichkeiten und Erleichterungen im Alltag. Jedoch sollten die smarten Teile nicht unser Denken übernehmen und uns gar abhängig von ihnen machen. Höre ich es irgendwo im Zug piepen und vibrieren, greife ich instinktiv in meine Jackentasche und bin enttäuscht, wenn es nicht mein Smartphone ist, das die Töne von sich gibt. Das liess mich nachdenklich werden, und mein Interesse für das Thema ist gewachsen.

Welche Erkenntnisse hast Du schon gewonnen?
Ich benutze und schätze meinen digitalen Freund noch genauso wie vor Beginn meiner Recherche. Nur bin ich aufmerksamer geworden und achte mich, was um mich herum passiert und wie sich meine Mitmenschen verhalten. Ich habe zwei Typen von Menschen kennen gelernt: Jene, die wissen, dass sie zu viel am Gerät sind und vielleicht ab und zu versuchen das Smartphone beiseite zu legen und jene, die ausrufen: Immer das blöde Natel! Das ist okay so. Ich für meinen Teil hielt es für Unsinn, einen handyfreien Tag einzurichten. Dafür kenne ich mein Nutzungsverhalten zu gut. Was ich an diesem Tag verpasst hätte, hätte ich am nächsten nachgeholt. Wichtiger ist es, sein eigenes Nutzungsverhalten aufmerksam zu analysieren und zu überprüfen, was davon wirklich notwendig und was nur verlorene Zeit ist. Das zu unterscheiden, fällt auch mir nicht immer leicht. Mir hilft es, wenn ich mir etwas anderes gönne: Sei es gute Musik oder ein Gespräch.

Du gehörst zu den digital natives und machst ein Studium, das es nur dank der Digitalisierung gibt. Welche Herausforderungen und Chancen bringt die Digitalisierung Deiner Meinung nach mit sich?
Die Digitalisierung überfordert viele Menschen aber schafft auch Möglichkeiten – zum Beispiel, sich kreativ auszutoben. Die vielen Möglichkeiten überfordern auch mich ab und zu. Aber es ist ganz in Ordnung, wenn man nicht alles versteht. Das Einzige was ich kritisch sehe, ist die Zeit, die dadurch verloren geht. Und, die Zeit ist knapp, weil sich heute alles rasend schnell verändert.

Viele Unternehmen arbeiten nach dem Motto: einfach mal machen und ausprobieren, entweder gelingt etwas gut und wenn nicht, hat man hoffentlich etwas gelernt. Diese Einstellung sagt mir sehr zu. Ich beobachte sie auch bei Kindern, die keine Angst haben vor Neuem und erst einmal ausprobieren. So ist es auch mit der Digitalisierung: Wer nicht versucht, der nicht gewinnt. Man kann alles verteufeln, aber aufzuhalten ist der Fortschritt deswegen noch lange nicht. Da will ich lieber ein Teil davon sein und mitgestalten. 

Wie sieht Deine persönliche On-/Offline Balance aus?
Oft ertappe ich mich dabei, dass ich wieder am Handy bin und gar nicht weiss, was ich eigentlich machen wollte. Darum versuche ich, aufmerksamer durchs Leben zu gehen und bewusster auf Situationen zu achten, in denen ich sonst immer am Handy war, zum Beispiel im Zug. Trotzdem sind wir Gewohnheitsmenschen. Deswegen sollte man sich auch ab und zu selber überlisten. Ich verstaue mein Handy manchmal ganz unten in meinem Rucksack, damit ich mir zweimal überlege, ob ich es jetzt hervorgrabe oder eben nicht.

Wann und wo kann man Deine Arbeit anschauen?
Die Episoden werden ab Mai auf einer eigenen Webseite zu sehen sein, die auch zusätzliche Infos zu Anlaufstellen für Betroffene oder Interessierte liefert. Auf Instagram und Facebook werde ich zusätzliche Inhalte publizieren. Geplant ist auch ein Screening im Kino an der Zürcher Hochschule der Künste. Zusätzlich findet vom 7. bis 20. Juni an der Zürcher Hochschule der Künste im Viaduktraum eine Vernissage statt, an der ich meine Arbeit präsentiere. Die Ausstellung ist öffentlich, und ich freue mich auf jeden Besucher.

Im Moment führe ich noch Interviews durch und bin auf der Suche nach Interviewpartner*innen, welche ihre eigene Geschichte oder Anekdote in Bezug auf ihr Smartphone erzählen wollen. Interessierte können sich gerne unter steffi.bergner@zhdk.ch bei mir melden.

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