Interview mit Anna Schober, Online Redakteurin

«digitale Diät»: Du gehörst zu den digital natives und arbeitest als Online Redakteurin in einem Tätigkeitsfeld, das es nur dank der Digitalisierung gibt. Gibt es für Dich überhaupt noch einen Unterschied zwischen digital und analog?
Anna Schober: Ja, ich finde es gibt einen grossen Unterschied. Das Digitale umfasst für mich die ganzen Arbeitsmittel, die Werkzeuge mit denen ich arbeite, um die ich sehr froh bin, weil sie die Zusammenarbeit erleichtern. Ich arbeite einmal in der Woche von zu Hause aus. Das ist super, weil ich dann nicht immer von Bern nach Zürich pendeln muss und trotzdem vernetzt bin. Das Analoge finde ich aber sehr wichtig – persönliche Gespräche zum Beispiel. Nach einem Tag Homeoffice habe ich das Bedürfnis ins Büro zu gehen und meinen Projektpartner*innen beim Gespräch in die Augen sehen zu können. Ich finde, diese Qualität braucht es.

Ist Deine Haltung repräsentativ für digital natives?
Ich kann nicht für jene Generation sprechen, die quasi mit dem Handy geboren wurde. Ich habe den Wandel noch miterlebt. Ich bin ohne Smartphone aufgewachsen. Ich beobachte, dass für meine Generation der persönliche Austausch immer noch sehr wichtig ist. Auch bei den jüngeren gibt es solche, die sich vom Smartphone distanzieren.

Wie wirkt sich die Digitalisierung Deiner Meinung nach auf Beziehungen aus?
Sie verändert Beziehungen auf jede Art. Angefangen damit, dass man sich verabredet und kurz vor dem Termin eine Nachricht schreibt, dass man zu spät kommt. Früher hätte man einfach gewartet. Wenn man nicht aufpasst, kann sich das Gefühl einschleichen, ständig online und damit verfügbar sein zu müssen. Oder beispielsweise auch, dass man sich ständig fotografiert und Bilder von sich auf den Sozialen Medien postet. Das kreiert eine Art zweite Realität, in der man sich bewegt. Die digitalen Möglichkeiten verändern viele Aspekte des Lebens.

Welche Vor- und Nachteile siehst Du darin?
Vorteile sind, dass ich rasch auf Google Maps schauen kann, wo mein nächstes Treffen stattfindet, dass ich Dinge online bestellen kann, dass ich schnell mit der ganzen Welt verbunden bin. Beim Arbeiten habe ich Alles auf sämtlichen Geräten verfügbar. Als Nachteil sehe ich, dass man sich ein wenig getrieben fühlt. Wenn ich zum Beispiel mit einer Kollegin irgendwo bin und sie kurz auf die Toilette geht, schaue ich auf mein Smartphone und sehe, wo ich sonst noch sein könnte. Man kann sich selbst Druck aufsetzen, indem man sich vor Augen führt, was man noch machen könnte oder machen sollte. Wenn man nicht aufpasst, ist man mit den Gedanken gleichzeitig an mehreren Orten. Mich beunruhigen auch die gesundheitlichen Risiken, die vom Smartphone ausgehen können, zum Beispiel die elektromagnetischen Strahlen, über die man noch nicht viel weiss. Ich denke, das wird noch unterschätzt.

Wie gehst Du damit um, dass es möglich ist, permanent verfügbar zu sein?
Ich finde es manchmal schwierig und fühle mich abgelenkt. Ich war auch schon an einem freien Tag wandern und hatte mein Handy im Rucksack. Als es dann die ganze Zeit vibriert hat, fühlte ich mich abgelenkt von der schönen Landschaft. Ich habe dann das Handy bewusst ausgeschaltet und mich aktiv auf meine Wanderung konzentriert. Das fühlte sich gut an. Ich habe gespürt, wie meine Gedanken zur Ruhe kamen – wie ich mich darauf einlassen konnte, was um mich herum in echt geschah. Wenn ich Nachrichten erhalte, schreibe ich nicht immer gleich zurück, weil ich dann ständig aus dem aktuellen Kontext falle. Ich verschiebe das Antworten auf später, zum Beispiel auf meine Zeit beim Zugfahren.

Wie gut gelingt es Dir, solche Strategien umzusetzen?
Gut. Mein Umfeld weiss, dass ich sehr zuverlässig bin und dass ich mich melde, sobald ich Zeit habe.

Wie nutzt Du Social Media?
Ein facebook Profil habe ich, nutze es aber nicht häufig, weil mich viele Inhalte nicht interessieren. Was ich aber sehr cool finde ist instagram. Ich bin ein visueller Typ und liebe Fotos. Ich mag es, wenn ich sehe, wo sich die Leute aus meinem Umfeld aufhalten und was sie machen. Auch selbst poste ich gerne Fotos. Natürlich geht es dabei um Selbstinszenierung und das birgt auch die Gefahr, neidisch oder mit seinem eigenen Leben unzufrieden zu werden. Es postet ja niemand ein Foto von sich auf dem er oder sie nicht gut aussieht. Mich persönlich beeinflusst das aber nicht extrem.

Wie schafft man es, nicht abhängig zu werden von den Likes, die man kriegt?
Klar sind die Likes eine Motivation. Da bin ich auch nicht frei davon. Ich freue mich, wenn ich viele Likes habe und frage mich, was wohl der Unterschied ist, wenn ich weniger bekomme. Aber das beeinträchtigt mein Selbstwertgefühl nicht.

Hast Du einen Tipp für andere, wie man das eigene Nutzungsverhalten im digitalen Wandel am besten steuert?
Ich würde die Technologie einfach als Werkzeug sehen und die positiven Aspekte nutzen.