Heute im Interview: Franziska Sulzer, Ausbildnerin und Mutter von zwei Söhnen im Alter von 8 und 12 Jahren.

digitale Diät: Wie sind Eltern aus Deiner Sicht von der Digitalisierung betroffen?
Franziska Sulzer: Extrem stark, einerseits sind wir damit nicht aufgewachsen, haben den Umgang als Kind nicht gelernt und mussten uns als Erwachsene den Umgang aneignen. Andererseits sind wir durch unsere Kinder damit konfrontiert. Kinder haben keine angeborene Kompetenz, sich sicher im Internet zu verhalten. Wir Eltern müssen den Umgang damit begleiten.

Gibt es bei Euch in der Familie Regeln bezüglich On-/Offline-Verhalten?
Wir sind in unserer Familie sehr streng mit der Mediennutzung. Wir setzen die Regeln für den Umgang. Am Computer haben wir Zeitfenster definiert. Abends zwischen 5 und 6. Die Kinder haben ein eigenes Login. Nach einer halben Stunde fährt der Computer automatisch herunter. Die Zeitfenster haben wir je nach Kind individuell definiert. Auch für die Handynutzung haben wir Regeln definiert. Während den Schulferien sind wir viel lockerer. Ich bin mir bewusst, dass diese Regeln in diesem Alter noch durchsetzbar sind. Später werden auch wir diese anpassen müssen.

Sind sich Eltern Deiner Meinung nach ihrer Vorbildrolle bewusst, die sie bezüglich On-/Offline-Verhalten vorleben?
Bei uns ist das Bewusstsein sehr hoch, wie bei den Tischmanieren oder im Strassenverkehr. Schwierig für mich ist, wenn meine Söhne sagen „Du bist so viel am Handy“ aber nicht wissen, was ich mache. Ich löse zum Beispiel Fahrkarten oder schaue auf die Wettervorhersage. Für sie bedeutet aber ins Handy kucken:  Gamen, Filme schauen oder Nachrichten-Schreiben. Für sie gibt es von uns definierte Zeiten, in denen sie das Handy nutzen dürfen. Bei mir ist diese Zeit nicht definiert. Das gibt Diskussionen mit den Kindern. Manchmal gehe ich an einen stillen Ort, um etwas nachzuschauen, damit sie es nicht mitbekommen.

Werden Deine Kinder bezüglich On-/Offline-Verhalten geschult? Von wem? Wo siehst Du allenfalls noch Bedarf diesbezüglich?
Natürlich wäre es gut, wenn die Schule das Thema auch aufgreift. Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll ist, den Umgang mit dem Handy früh zu thematisieren, da man als Eltern mehr Einfluss nehmen kann. Bei einem 9. Klässsler ist es nicht mehr möglich, Einfluss zu nehmen. Eltern sollten ihr Mindset ändern und begreifen, dass Kinder nicht wissen, wie mit den digitalen Medien umgehen. Als Eltern musst du dich damit auseinandersetzen. Erziehen ist streng und hat mit Grenzsetzung zutun. Diskussionen sind normal. Du musst von deinem Standpunkt überzeugt sein, damit du gegenüber deinen Kindern überzeugend auftreten kannst.

Eltern sind im Umgang mit digitalen Medien zum Teil überfordert, weil sie einerseits nicht wissen, was nützlich und was schädlich ist und weil das Handling von Kindersicherung, W-lan, Kinderaccount nicht so einfach ist.

Gibt es Momente, in denen Du selbst nicht erreichbar bist? Deine Mails liegenbleiben?
Ich fühle mich durchs Handy nicht gestresst. Für mich ist es eine Erleichterung. Ich bin erreichbar falls etwas ist. Zum Beispiel in den Ferien, wenn meine Mutter hütet. Ich schaue sporadisch, ob sie sich gemeldet hat, ca. 4mal im Tag. In der Zwischenzeit stelle ich es aus oder auf lautlos.

Manchmal, wenn ich gelangweilt bin, schaue ich aufs Handy, um News zu schauen – zuletzt während einer Weiterbildung.